Bussemer/Muhle: Die Figur des Anormalen – Monster,
Unkorrigierbare und Onanisten bei Michel Foucault
Michel Foucault beschreibt in seiner Vorlesung „Les
Anormaux“, gehalten im Jahre 1975 am Collège
de France, die Entstehung dreier Figuren deren Begehren
sie zu Subjekten der Disziplin und Kontrolle werden lassen:
das Monster, der Unkorrigierbare und der Onanist. Die Beschreibungen
lassen sich als Hinleitung zu seinem im Anschluss entstanden
Konzept der Biopolitik lesen. Das Monster/der Anormale/der
Homosexuelle(!) ist das Element, das Aufschluss gibt über
die eigentliche Natur der Dinge, die da wären Diskontinuität,
Bruch, Irrtum und auf die sich dann die Biopolitik mit ihren
Normen und Regulierungen bezieht. „Die unbestimmte
und verworrene große Familie der Anormalen […]
hat sich im Wechselspiel der mit einem ganzen Komplex von
Kontrolleinrichtungen, mit einer ganzen Reihe von Verteidigungsmechanismen
herausgebildet […] sie wird Anlass für lachhafte
theoretische Ausarbeitungen, aber auch für harte wirkliche
Effekte sein.“ (Foucault, Michel 1975: Die Anormalen,
in: Foucault, Michel 2002: Dits et Ecrits, Schriften, Zweiter
Band, Frankfurt am Main, S. 1024.)
Zur Person
Maria Muhle
Geboren 1976 in Berlin, Studium der Philosophie und Politikwissenschaften
in Madrid und Paris. Zur Zeit, Vorbereitung einer bi-nationalen
Doktorarbeit „Eine Genealogie der Bio-Politik. Der
Begriff des Lebens bei Michel Foucault und Georges Canguilhem“
an der Université Paris VIII Saint-Denis und der
Europa Universität Viadrina (Frankfurt/Oder). Bibliographie
(Auszug): „Lager und Biopolitik“, Transcript
Verlag, Berlin (erscheint 2006); „Zone d’attente
et camps étrangers”, in: Le retour des camps,
Éditions Autrement, Paris (erscheint Juni 2006);
„Il monstruo e la biopolitica”, in: Lessico
biopolitico, Manifestolibri, Rome 2006; „Biopolitique
et pouvoir souverain”, in: Lignes, Éditions
Léo Scheer, Paris 2002. Verschiedene Übersetzungen
aus dem Französischen, u.a. Jacques Rancière,
Die Politik der Bilder, Berlin 2006 und ders., Die Aufteilung
des Sinnlichen, Berlin 2006.
Johanna Bussemer
Geboren 1976 in Berlin, Studium der Politikwissenschaft
in Berlin und Berkeley. Mitarbeiterin am Studiengang Gender
Studies an der Ruhr-Universität Bochum. Bibliographie
(Auszug): 2002: zusammen mit Stefanie Rinke, „GLOW
ein feministisches Netzwerk im Cyberspace“. In: Heinrich-Böll-
Stiftung und Feministisches Institut (Hrsg.), feminist spaces,
Frauen im Netz, Diskurse, Communities und Visionen, Königstein
Taunus, S. 123-133; 2002: zusammen mit Adrienne Goehler:
„Mädels bildet Banden“. In: Stachelige
Argumente, Heft 3/2002, S. 16-20; 2005: „Rosa Hermann.
Die Biographie einer Gewerkschafterin im Widerstand.“
In: Mielke/Koch-Baumgarten, „Gewerkschaft und Widerstand“
zurück