Mark Butler: Spielerische Selbsttechnologien im Hip-Hop

Dieser Vortrag verfolgt die These, dass das Ludische eine bislang vernachlässigte Dimension der mannigfachen Praktiken des Selbst ist, die der späte Michel Foucault mit seinem Begriff der "Selbsttechniken" in den Fokus seiner Aufmerksamkeit gerückt hat. Die immer noch dominante Rezeption von Foucaults Konzept sieht die gegenwärtige Selbsttechniken restlos von einem neoliberalen Dispositiv durchzogen. Diese Lesart, welches vom Zwang einer permanenten "Arbeit an sich" des modernen Individuums spricht, soll in diesem Vortrag mit spieltheoretischen Überlegungen konfrontiert werden. Das Material an dem sich dieses Argument entfalten wird bilden Beispiele aus der Hip Hop Kultur. In diesem Feld wird unaufhörlich gespielt - mit der Sprache, mit den visuellen und akustischen Archiven der Kultur, dem eigenen Körper und dem Stadtraum. Dabei ist Hip Hop in den seltensten Fällen "bloßes" Spiel. Die Kulturtechniken des rapping, writing, mixing und breaking haben sich aus den ärmsten Schichten der Gesellschaft entwickelt. In diesen Spielzügen, in denen es fortwährend um Selbststilisierung und Selbststeigerung geht, manifestiert sich der heilige Ernst des Spieles. Hierin, so das Argument des Vortrags finden wir etwas wieder, dass mit dem verglichen werden kann, was Foucault die antike Ästhetik der Existenz nannte - selbstverständlich in einer vollkommen anderen historischen und soziokulturellen Situation.

Zur Person:

Mark Butler wurde 1974 in New York geboren und lebt seit 1995 in Berlin, wo er an der Humboldt Universität Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie studiert hat. Gegenwärtig ist er Doktorand in der Society and Technology Research Group der DaimlerChrysler AG. Folgende Essays sind von ihm bisher erschienen: "Technoschamanismus im glokalen Netz. Eine Ethnographie telekommunikativer Dienstleistungen". In: Technogene Nähe. Ethnographische Studien zur Mediennutzung im Alltag. Hgg.: Stefan Beck. Münster: LIT, 2000. "Unter-Übermenschen. Zur Wiedergeburt eines Mythos aus dem Geiste der angloamerikanischen Popkultur". In: Versuchendes Denken V. Entdeckungen mit und an Nietzsche. Hgg.: Renate Reschke. Humboldt Universität zu Berlin. Berlin: HUB, 2001. "Beta-Testing The Future: Fundamentals Of Computer Gaming". In: Berliner. Constant Change. Berlin, Heft 1. Oktober 2002. "Zur Psychodynamik des Computerspielens - zwischen Perversion, Psychose und Rausch". In: figurationen - gender literatur kultur. spiele/ games. 5. Jahrgang 2004, Heft 1. Hgg.: Caroline Torra-Mattenklott. Köln, Weimar, Wien: Böhlau. "Would you like to play a game? Die Kultur des Computerspielens". Berlin: Kadmos, 2006. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit verwirklicht er unterschiedliche Performance- und Multimedia-Projekte. Gründungsmitglied des Berliner Künstlernetzwerks MEMENET.

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