Andrea von Kameke: Queering Power, queering Film? –
eine Foucaultsche Lesart von Bent Hamers Kitchen Stories
(Norwegen 2003)
„Wo es Macht gibt, gibt es Widerstand. Und doch oder
vielmehr gerade deswegen liegt der Widerstand niemals außerhalb
der Macht.“ (Michel Foucault, Der Wille zum Wissen)
In Bent Hamers Film Kitchen Stories geht es um eine sich
langsam und unter widrigen Umständen entwickelnde (queere)
Freundschaft zwischen zwei Männern mittleren Alters,
die nicht nur ihre unterschiedliche Herkunft, sondern auch
ihre verschiedenen Positionen innerhalb einer hierarchisch
gegliederten Versuchsanordnung trennt. Der Film zeigt auf
eindrucksvolle Weise den Prozess sich auf mikropolitischer
Ebene verschiebender Machtverhältnisse, die –
im Anschluss an Foucault – als vielfältig, polyzentrisch
und an den Kontext spezifischer Situationen gebunden verstanden
werden können. Verbunden wird dies mit der Darstellung
einer Beziehung zwischen zwei Personen gleichen Geschlechts,
welche sich auf subtile Weise normativen Zuordnungen entzieht.
Ausgehend von dem Machtbegriff, den Foucault in Der Wille
zum Wissen entwickelt, wird mich sowohl die Darstellung
der diskursiven Machtrelationen auf der Handlungsebene als
auch deren mediale Produktion und Reflexion interessieren.
Verbunden damit wird in einem Queer Reading die Konstitution
von Geschlecht und Sexualität in Kitchen Stories zu
untersuchen sein. Inwieweit weichen die dargestellten Formen
von Sexualität und Geschlecht von der Norm des Sexualitäts-
bzw. Geschlechterdispositivs ab und auf welche Weise tun
sie dies? Bietet ein mediales Produkt wie der Film eine
Möglichkeit, eine (lokale) diskursive Verschiebung
herbeizuführen und so innerhalb des Dispositivs Widerstand
zu leisten gegen die Normierung der Körper, des Begehrens
und der (Liebes-)Beziehungen?
Ein übergeordneter Kontext des Beitrags wird die Frage
sein, welche Bedeutung der Foucaultsche Machtbegriff für
eine (queere) Medientheorie hat bzw. haben kann.
Zur Person:
Andrea von Kameke studierte Germanistik (Schwerpunkt: Theater
und Medien), Anglistik und Gender Studies in Hamburg und
London. Als Regieassistentin und Regisseurin arbeitete sie
an Theatern in London, Berlin und Lübeck. Zum Thema
Gender/Queer und Medien bzw. Gender und Theater hat sie
Vorträge an den Universitäten London und Freiburg
sowie am Thalia Theater Hamburg gehalten. Ab April 2006
wird Andrea von Kameke im Rahmen des Graduiertenkollegs
'Die Figur des Dritten' an der Universität Konstanz
zum Thema 'Transmedialität: Geschlecht und Theatralität
im europäischen und nordamerikanischen Film' promovieren.
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